Jahresbrief 2015

des damaligen KV Hameln

2015 war kein gutes Jahr für Europa. Zwar ist die Finanz-, Banken- und Staatsschuldenkrise  überwunden worden, es geht jedoch in fast allen europäischen Ländern  mit Ausnahme von Griechenland wirtschaftlich bergauf. Die Arbeitslosenzahlen und die Staatsschulden sinken, die Inflation ist fast überall verschwunden, Konsum und Handel legen kräftig zu.

Man könnte zufrieden sein, aber 2015 wurde dennoch zum Horrorjahr für Europa, weil die Europäische Union elementare Werte der Gemeinschaft unter dem Ansturm von mehr als 1 Mill. Flüchtlingen aus den Kriegs- und Terrorregionen Vorderasiens und Nordafrikas aufgegeben hat. Die eigentlichen Krisenherde lagen also nicht innerhalb Europas sondern außerhalb der europäischen Grenzen.

Erst das beherzte Eingreifen leider nur weniger EU-Staaten verhinderte eine riesige humanitäre Katastrophe.

Zwar haben die Europäer schon lange nicht mehr mit einer Zunge geredet, aber dass auf so vielen Gebieten der Gemeinschaftsgeist verlorengegangen ist, ist enttäuschend und macht Angst. Nur knapp 10 Länder des eigentlich christlichen Abendlandes nehmen Flüchtlinge auf. Deutschlands Verhalten ist ausgesprochen menschlich und vorbildlich. In den Verweigererstaaten wurde der Grundgedanke der Humanität völlig vergessen. Das gilt besonders für Polen, dessen Weltbild ja eigentlich stark religiös geprägt ist. Die Solidarität, d. h. dass Lasten gemeinsam getragen werden, wurde aufgeben.

Die wunderbare Reisefreiheit ohne Grenzkontrollen im Schengenraum wurde nach und nach eingestampft. Grenzzäune wurden wieder neu errichtet. Eine gerechte Aufteilung der Flüchtlinge auf alle EU-Länder wurde von einigen barsch als Erpressungsversuch zurückgewiesen. Die Pressefreiheit und Unabhängigkeit von Gerichten werden teilweise in Frage gestellt. Das dümmliche nationalistische Geschrei am rechten Rand des politischen Spektrums hat fast überall zugenommen.

Dies alles sind bedenkliche Auflösungserscheinungen in einer eigentlich starken Europäischen Union. Man rüttelt an den Grundfesten der Gemeinschaft und sucht viel zu oft nur noch nationale Vorteile, politisch getrieben von den rechtsradikalen Parteien und Gruppierungen.

Zum Glück kamen aus Brüssel auch positive Meldungen: Eine wirksame Bankenaufsicht und –haftung wurde geschaffen, Ähnliches gilt für die Versicherungswirtschaft. Steuerflüchtlinge wurden in großer Zahl entdeckt und zur Rechenschaft gezogen. Steueroasen wurden trocken gelegt. Eine Angleichung der Steuersysteme ist in Planung. Auch der Frieden in der Ukraine und in Libyen ist dank der EU-Vermittlung in greifbare Nähe gerückt.

 

Liebe Europafreunde,

die Europäische Integration ist auch in Zukunft aller Anstrengungen wert. Ohne die EU hätten wir weniger Frieden und Sicherheit, weniger Wohlstand und weniger Lebensqualität. Lassen wir uns nicht entmutigen, am Fortbestand der Europäischen Integration weiter zu arbeiten.

Der Vorstand der Europa-Union Hameln wünscht allen Mitgliedern und Freunden ein besinnliches Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2016!

Reinhard Burdinski

Vorsitzender Europa Union Deutschland Kreisverband Hameln